Wie kann ich als Journalist an Pressereisen teilnehmen?

Pressereisen Journalist

Es ist ein offenes Geheimnis, dass viele Reisejournalisten und auch -Blogger ihre Trips oft von Unternehmen oder PR-Agenturen bezahlt bekommen. Viele Reisen wären ansonsten auch gar nicht möglich, denn wer für eine Reisereportage rund 500 Euro oder weniger bekommt, wird davon kaum die Ausgaben für einen Trip nach Südamerika, Asien oder sonstwohin bezahlen können.

Wenn du erst einmal ein paar Pressereisen gemacht (und auch darüber berichtest) hast, wirst du bald eine ganze Menge Angebote dafür erhalten. Pressereisen sind eine großartige Möglichkeit, um ohne große Ausgaben zu reisen und gleichzeitig Material für viele tolle Reportagen und auch Interviews zu sammeln. Teilweise haben Pressereisen aber einen schlechten Ruf, da den mitreisenden Journalisten vorgeworfen wird, dass sie sich vom Veranstalter einkaufen lassen, um danach positiv über das Hotel, die Fluglinie oder auch den Reiseort zu berichten. Sicherlich ist das die Intention des einladenden Unternehmens. Was du am Ende in deinen Artikel schreibst, bleibt aber deine freie, journalistische Entscheidung. Wichtig ist immer, dass am Ende des Artikels oder in einem extra Kasten darauf hingewiesen wird, dass die Reise von Unternehmen xy unterstützt wurde.

Ich hab auch einige Pressereisen als freie Journalistin gemacht (darunter Costa Rica, Panama, Australien, Schweiz, Polen, Sylt und St- Peter-Ording) und wurde immer wieder gefragt, wie ich an die Einladungen dafür gekommen bin. Bei mir spielte der Zufall auch eine Rolle, aber eigentlich ist es nicht so schwer, auf Pressereisen eingeladen zu werden, wie viele denken.

So wirst du auf Pressereisen eingeladen

Meine erste Pressereise habe ich einem Zufall zu verdanken. In der Redaktion, in der ich als feste Freie ein paar Tage die Woche arbeitete, fragte der Leiter des Reiseressorts in die Runde, ob jemand auf Pressereise nach Australien fliegen möchte. Keiner der Kollegen wollte die Reise machen, da niemand mehr Urlaub übrig hatte, den er dafür aufwenden konnte. Und so kam ich ins Spiel. Denn als freie Mitarbeiterin kann ich selbst wählen, wann ich wie viel arbeite und/oder Urlaub mache. So machte ich meine erste Pressereise im schönen Australien und schrieb im Anschluss einen Artikel darüber. Dieser wurde abgedruckt und ich stellte ihn auf meiner Webseite als Referenz in mein Portfolio ein (warum du eine eigene Webseite haben solltest, kannst du hier nachlesen).

Ein paar Wochen später schrieb mich die Mitarbeiterin einer PR-Agentur an, die den Artikel gelesen hatte. Mir wurde angeboten, auf Kosten der Agentur in die Schweiz zu fliegen. Auch diese Reise trat ich an, schrieb einen Artikel darüber und veröffentlichte ihn in einer Zeitung und auf meiner Webseite. Und so kam die Sache mit den Pressereisen ins Rollen.

Wenn du keine Möglichkeit hast, direkt an einer Pressereise teilzunehmen, kannst du trotzdem an Einladungen kommen.

  1. Schreibe eine Reisereportage über ein Reiseziel, das du selbst im Urlaub bereist hast. Da du diesen Urlaub ja schon bezahlt hast, entstehen keine neuen Ausgaben für dich (außer Zeit). Versuche dann, diesen Artikel in einem Medium (egal ob Print oder Online) unterzubringen. Du solltest natürlich versuchen, einen guten Preis für den Artikel auszuhandeln. Wenn niemand deinen Artikel möchte, kannst du als letzte Option anbieten, dass du den Artikel kostenlos zur Verfügung stellst. Ja, das tun Journalisten nicht gern und ich bin auch kein Fan der Gratiskultur, die in vielen Verlagen herrscht. Aber diese Option könnte dir zu einem späteren Zeitpunkt weitere Türen öffnen.
  2. Wenn dein Artikel veröffentlicht ist, stelle ihn auf deiner Webseite als Referenz ein.
  3. Suche auf Google die größten Pr-Agenturen heraus, die als Kunden Reiseveranstalter, Landesvertretungen oder Fluglinien haben. Lass dich dort auf den Presseverteiler setzen und weise in einer E-Mail darauf hin, dass du bereits Reisereportagen veröffentlicht hast und das Beispiel auf deiner Webseite zu finden ist.
  4. Jetzt heißt es abwarten und die Newsletter der PR-Agenturen studieren. Vielleicht wird schon bald eine Presseinladung darin zu finden sein.
  5. Wenn du dann mit einer Agentur bereits eine Pressereise gemacht und vielleicht einen persönlichen Ansprechpartner hast, kannst du auch direkt nach einer individuellen Reise (die also nur für dich allein geplant wird) mit einem Kunden der Agentur fragen.

Du siehst, Einladungen für Pressereisen zu erhalten ist kein Hexenwerk, auch wenn du ein bisschen Vorarbeit investieren musst.

Hast du schon einmal an einer Pressereise teilgenommen? Wie waren deine Erfahrungen damit? Und was rätst du anderen, die auf Pressereise gehen (wollen)? Ab damit in die Kommentare!

2 Gedanken zu “Wie kann ich als Journalist an Pressereisen teilnehmen?

  1. Hallo,
    ja, ich war schon auf Pressereise. Du schreibst “ ich bin auch kein Fan der Gratiskultur“, das steht für mich in einem direkten Widerspruch dazu, dass Du ja anscheinend gerne selbst mal eine Gratis-Reise mitnimmst.
    Du vergisst auch zu erwähnen, dass man entweder Beziehungen haben muss oder aber eine große Reichweite mit seinem Blog nachweisen muss. Pressereisen sind meistens auch kein Zuckerschlecken, da viele eben nur zwei drei Tage irgendwohin gehen und diese Tage mit Programm vollgestopft sind.
    Ich finde es außerdem sehr beeindruckend, dass Du Dir Deine Freizeit nehmen kannst, wann Du willst. Ich habe, obwohl ich auch freiberuflich tätig bin, leider nicht immer die Möglichkeit. Schließlich erwarten meine Auftraggeber die pünktliche Erledigung der Aufträge. Sonst verdiene ich kein Geld.
    Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg.
    Beste Grüße
    Ulrike

    1. Liebe Ulrike,

      vielen Dank für deinen Kommentar, den ich leider viel zu spät beantworte!
      Ja, da hast du recht, auf den ersten Blick scheint das ein Widerspruch zu sein: Kein Fan von Gratiskultur und trotzdem an Pressereisen teilzunehmen. Aber ich meinte damit eher, dass ich es schlimm finde, dass immer mehr Auftraggeber kostenlose Zusatzarbeiten erwarten (kostenloses Bildmaterial zum Beispiel). Und Pressereisen sind meiner Meinung nach inzwischen für viele Redaktionen und auch freie Journalisten die einzige Möglichkeit, überhaupt an authentische Reiseberichte zu kommen. Denn die Budgets sind ja meist eher knapp.
      Inzwischen habe ich übrigens Familie und kann mir meine Freizeit auch nicht immer einteilen, wie ich möchte 😉 Aber ich habe grundsätzlich auch auf Pressereisen immer abends noch gearbeitet, damit meine anderen Aufträge pünktlich fertig werden. Es hat also alles auch seine Schattenseiten.

      Ich wünsche dir alles Gute!
      Viele Grüße
      Marike

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